Therapeutische Arbeit mit Straftätern

2011

 

  • Kilvinger F, Ross T, Hoffmann K, Fontao MI (2011): Inhaltliche und strukturelle Aspekte von Narrativen in einer forensischen Gruppenpsychotherapie. Forensische Psychiatrie und Psychotherapie Werkstattschriften. 18(1):19-36
    In der forensischen Psychiatrie und Psychotherapie besteht noch ein Wissensdefizit über wirksame Veränderungsmechanismen im psychotherapeutischen Prozess. Die Identifikation von psychotherapeutischen Wirkmechanismen ist jedoch eine notwendige Voraussetzung für die Entwicklung effektiver Interventionsstrategien bei der Behandlung psychisch kranker Rechtsbrecher. Im Mittelpunkt der vorliegenden Studie lag die Analyse inhaltlicher und struktureller Aspekteder Narrative suchtkranker forensischer Patienten im Rahmen einer Gruppenpsychotherapie. Dazu wurden 1013 Narrative aus 42 videographierten Gruppenpsychotherapiesitzungen anhand der Realkennzeichen von Steller und Köhnken (1989) mit qualitativeninhaltsanalytischen Methoden untersucht. Am häufigsten sprachen die Patientenüber Persönliches, Soziale Beziehungen und Therapie. Über die Sucht und das Delikt wurde hingegen selten gesprochen. Am detailreichsten und komplexesten waren die Narrative, in denen es um die Familie oder um Arbeit, Ausbildung oder das Berufsleben ging. Weniger detailreich und einfacher strukturiert waren dagegen die Narrative, in denen vorrangig über die Therapie oder persönliche Themen gesprochen wurde. Die Studie leistet einen Beitrag zur Psychotherapieprozessforschung, indem sie die Narrative der Patienten detailliert beschreibt und einen Einblick in Inhalte und Arbeitsprozesse einer forensischen Gruppenpsychotherapie gibt.
  • Fries D, Endrass J, Ridinger M, Urbaniok F, Rossegger A: Indikatoren für den Verlauf einer stationären Behandlung bei Straftätern mit Substanzmittelabhängigkeit (2011). Fortschritte der Neurologie - Psychiatrie. 79: 404-410.
    Das Anliegen dieser Übersichtsarbeit ist es, auf der Grundlage einer systematischen Literaturrecherche, den aktuellen Stand der Forschung über geeignete Zuweisungskriterien in den Massregelvollzug nach § 64 StGB darzustellen. Trotz der sehr heterogenen Klientel konnten in den empirischen Primärstudien einige robuste Indikatoren für einen Therapieabbruch im Massregelvollzug identifiziert werden. So sind zum Beispiel ein niedrigeres Lebensalter, frühere Delinquenz, das Fehlen eines Schul- und Berufsabschlusses und eine Persönlichkeitsstörung die robustesten Indikatoren für einen erfolglosen Therapieverlauf im § 64 StGB Massregelvollzug. 

2008

 

  • Endrass J, Rossegger A, Noll T, Urbaniok F (2008): Wirksamkeit von Therapien bei Gewalt- und Sexualstraftätern. Psychiatrische Praxis. 35(1):8-14
    Hintergrund: Diskussion des aktuellen Stands der Therapieevaluationsforschung in der Forensik unter besonderer Berücksichtigung methodischer Gesichtspunkte. Methode: Systematische Literaturrecherche zu Studien, die den risikosenkenden Effekt von Therapien mit Straftätern untersucht haben. Ergebnisse: Die Studiendesigns sind sehr heterogen und die Ergebnisse somit wenig vergleichbar. Schlussfolgerungen: Aufgrund der methodischen Heterogenität der Studien ist eine abschließende Beurteilung der Effizienz von forensischen Psychotherapien nicht möglich.

2006

 

  • Urbaniok F, Endrass J (2006): Therapeutische Arbeit mit deliktrelevanten Phantasien. Schweizer Archiv für Neurologie und Psychiatrie. 157(1):15-22
    Die Arbeit mit deliktrelevanten Phantasien in der Psychotherapie von Straftätern wird dargestellt. Phantasien werden als bewusstseinsnahe Form von Vorstellungen mit visuellem Charakter gefasst, die mit affektiven oder körpersensorischen Erlebensaspekten verbunden sind. Die Relevanz von Phantasien in der Arbeit mit (Sexual-)Straftätern besteht in ihrer Funktion als handlungsvorbereitender oder handlungsbegünstigender Vorlauf. Bedeutsame Einzelmerkmale deliktrelevanter Phantasien werden aufgelistet: Handlungsschwelle, Handlungsbezug, Quantität, Qualität, Frequenz, Intensität, frühere prädiktorische Qualität, Offenheit im Mitteilungsverhalten, Steuerungsfähigkeit, Steuerungsmotivation. Ziel der therapeutischen Arbeit ist die allmähliche und kontinuierliche Modifikation einer deliktrelevanten Phantasie. Dazu muss dem Klienten in der ersten Phase die Möglichkeit und Notwendigkeit der Steuerung der Phantasie vermittelt werden, bevor anschliessend mit Kontrollübungen gearbeitet wird. Hinweise auf einige im Ablauf der Therapie relevante Aspekte werden gegeben: Klassifikation von Phantasien, wochenweise Merkmalskontrolle, Phantasiearbeit mit dem Deliktkreis, Erfassen von Einflussfaktoren, Arbeit mit Standbildern. Zur Illustration des Vorgehens wird die Behandlung eines 32-jaehrigen Mannes mit auf Frauen und Kinder bezogenen sadistischen Vergewaltigungsphantasien beschrieben. Im Verlauf der Therapie gelang es dem Klienten, diese Phantasien zu kontrollieren.
  • Urbaniok F, Stürm M (2006): Das Zürcher „Ambulante Intensiv-Programm“ (AIP) zur Behandlung von Sexual- und Gewaltstraftätern. Teil 1: Entstehungsgeschichte und methodische Grundlagen. Schweizer Archiv für Neurologie und Psychiatrie. 157(3):103-118
    Das in einer Zürcher Strafanstalt praktizierte Ambulante Intensiv-Programm (AIP), ein deliktpräventives Therapieprogramm fuer Sexual- und Gewaltstraftäter mit hoher, chronifiziert in der Persönlichkeit verankerter Risikodisposition, wird hinsichtlich seiner Entwicklung, methodischen Grundlagen und spezifisch deliktpräventiven und therapeutischen Konzepte vorgestellt. Das AIP ist eingebettet in die therapeutische Angebotsstruktur des Zürcher Psychiatrisch-Psychologischen Dienstes und wurde seit 1997 zur Schliessung einer Versorgungslücke in diesem Bereich systematisch entwickelt. Das Programm ist integrativ ausgerichtet, eine anthropologische Perspektive, Pragmatismus und die Orientierung an Wirkfaktoren sowie der "common factors approach" stellen zentrale Grundpositionen dar. Als weitere methodische Behandlungsgrundlagen des AIP werden Interdisziplinarität, gezielte Settingvariation, die Gruppe als zentrales therapeutisches Arbeitsfeld, Deliktorientierung und Ressourcenorientierung hervorgehoben. Die Erhöhung der Steuerungsfähigkeit und die Verringerung der Deliktmotivation des Täters bilden die wesentlichen Behandlungsziele. Überlegungen zur Integration des obligatorischen deliktorientierten und des komplementären persönlichkeitsmodifizierenden Anteils der Therapie werden skizziert. Anschliessend werden fünf Foki der Behandlungskonzeption näher erläutert: (1) Abklärung/Diagnostik, (2) Gruppenkohäsion/Beziehungsgestaltung, (3) Deliktorientierung (Deliktanalyse und Deliktprävention), (4) kontrollierte Erprobung, (5) Nachbetreuung/Risikoeinschätzung. Im Ausblick wird auf die von verschiedenen Fachleuten übereinstimmend festgestellten risikosenkenden Effekte des AIP hingewiesen, seine geplante Weiterentwicklung wird skizziert, und das schwierige gesellschaftspolitische und mediale Umfeld von Ansätzen wie dem AIP wird thematisiert.
  • Urbaniok F, Stürm M (2006): Das Zürcher „Ambulante Intensiv-Programm“ (AIP) zur Behandlung von Sexual- und Gewaltstraftätern. Teil 2: Spezifisch deliktpräventive und therapeutische Konzeptionen. Schweizer Archiv für Neurologie und Psychiatrie. 157(3):119-133
    Das in einer Zürcher Strafanstalt praktizierte Ambulante Intensiv-Programm (AIP), ein deliktpräventives Therapieprogramm fuer Sexual- und Gewaltstraftäter mit hoher, chronifiziert in der Persönlichkeit verankerter Risikodisposition, wird hinsichtlich seiner Entwicklung, methodischen Grundlagen und spezifisch deliktpräventiven und therapeutischen Konzepte vorgestellt. Das AIP ist eingebettet in die therapeutische Angebotsstruktur des Zürcher Psychiatrisch-Psychologischen Dienstes und wurde seit 1997 zur Schliessung einer Versorgungslücke in diesem Bereich systematisch entwickelt. Das Programm ist integrativ ausgerichtet, eine anthropologische Perspektive, Pragmatismus und die Orientierung an Wirkfaktoren sowie der "common factors approach" stellen zentrale Grundpositionen dar. Als weitere methodische Behandlungsgrundlagen des AIP werden Interdisziplinarität, gezielte Settingvariation, die Gruppe als zentrales therapeutisches Arbeitsfeld, Deliktorientierung und Ressourcenorientierung hervorgehoben. Die Erhöhung der Steuerungsfähigkeit und die Verringerung der Deliktmotivation des Täters bilden die wesentlichen Behandlungsziele. Überlegungen zur Integration des obligatorischen deliktorientierten und des komplementären persönlichkeitsmodifizierenden Anteils der Therapie werden skizziert. Anschliessend werden fünf Foki der Behandlungskonzeption näher erläutert: (1) Abklärung/Diagnostik, (2) Gruppenkohäsion/Beziehungsgestaltung, (3) Deliktorientierung (Deliktanalyse und Deliktprävention), (4) kontrollierte Erprobung, (5) Nachbetreuung/Risikoeinschätzung. Im Ausblick wird auf die von verschiedenen Fachleuten übereinstimmend festgestellten risikosenkenden Effekte des AIP hingewiesen, seine geplante Weiterentwicklung wird skizziert, und das schwierige gesellschaftspolitische und mediale Umfeld von Ansätzen wie dem AIP wird thematisiert.

2005

 

  • Benz C, Blawatt E, Endrass J, Urbaniok F (2005): Grundlagen zum Empathietraining in der forensischen Psychotherapie. Forensische Psychiatrie und Psychotherapie Werkstattschriften. 12(1):7-28
    Die Steigerung der Opferempathie scheint trotz der Probleme, die mit theoretischen Konzeptionen und dem Nachweis eines deutlichen Einflusses auf die Rückfallrate verbunden sind, eine zentrale Komponente der Sexualstraftäterbehandlung zu bleiben. Nachdem zunehmend opfer- und situationsspezifische Empathiedefizite in den Mittelpunkt rückten, vermutet man in letzter Zeit die temporäre Suppression der empathischen Fähigkeit als Ursache dieser Defizite. Unsere theoretischen Überlegungen betonen entwicklungspsychologische Aspekte und zeigen auf, dass affektive und kognitive arousal modes (Hoffman 1984) als zentrale Vorgänge im empathischen Prozess über diverse Suppressionsmechanismen blockiert werden und zu situationalen Empathiedefiziten führen. Wir übertrugen ferner das „Organizational Model“ für Empathie (Davis 1994) auf Sexualstraftäter und integrierten die Suppressionsmechanismen. Das resultierende Empathiemodell (EPM) für Sexualstraftäter liefert eine wertvolle Grundlage für Assessment und Behandlungsplanung.
  • Urbaniok F, Benz C (2005): Der pädosexuelle Täter. Kriminalistik. 59(3):182-188
    Das komplexe Phänomen der Pädosexualität stellt hohe Anforderungen an Strafverfolgung, Strafvollzug und Forensik, wenn es um eine differenzierte Einschätzung von hieraus resultierenden Tathandlungen geht. Der vorliegende Artikel gibt einen Überblick zu verschiedenen Aspekten der Pädosexualität wie zum Beispiel zu gängigen Typologien, Hypothesen zur Entwicklung dieser Neigung und Befunden zu Persönlichkeitsmerkmalen. Darüber hinaus wird auf den Zusammenhang zu Kinderpornographie, die Beurteilung der Zurechnungsfähigkeit, sowie auf Rückfallraten und Behandelbarkeit eingegangen. Das stetig wachsende Wissen zur Pädosexualität, die im Zuge der Verbreitung des Internets rasant wachsende Zahl an Personen, die durch Konsum von Kinderpornographie auffällig werden, aber auch die sich laufend verbessernden Therapieansätze fordern eine ständige Auseinandersetzung mit dieser Thematik.

2003

 

  • Urbaniok F (2003): Der deliktorientierte Therapieansatz in der Behandlung von Straftätern - Konzeption, Methodik und strukturelle Rahmenbedingungen im Zürcher PPD-Modell. Psychotherapie Forum. 11(4):202-213
    Die Therapie von Straftätern folgt im angelsächsischen Raum lerntheoretischen Konzepten. Durch eine zu starre und einseitige Anwendung bleibt therapeutisches Potenzial oft ungenutzt. In Europa haben tiefenpsychologische Ansätze lange Zeit zu einer Vernachlässigung deliktorientierter Vorgehensweisen geführt. In Zürich ist mit dem PPD-Modell (Psychiatrisch-Psychologischer Dienst, Justizvollzug Kanton Zürich) ein wegweisendes forensisches Modell entstanden, das professionelle Risikoeinschätzungen vornimmt und ein breites deliktpräventives Therapieangebot für Straftäter bereitstellt. Als Fachzentrum ist der PPD Teil der Justiz und innerhalb der Justizorganisation mit Verantwortung und Entscheidungskompetenz ausgestattet, sodass damit tragfähige strukturelle Rahmenbedingungen für eine innovative forensische Psychiatrie bestehen. Die Behandlungsphilosophie des PPD folgt dem Grundsatz: Spezielle, delikt-orientierte Interventionen als Pflichtprogramm und Behandlung der spezifischen Problemstellungen der Grundpersönlichkeit als komplementärer Anteil der Therapie. Der Artikel stellt den deliktorientierten Behandlungsansatz vor, so wie er im Rahmen des Zürcher Modells praktiziert wird. Als generelle paradigmatische Prinzipien werden u.a. eine klare Zielorientierung auf die Verminderung von Rückfallrisiken, maximale Transparenz, Offenheit, Respekt, die Förderung von Selbständigkeit, Eigenverantwortung, Interdisziplinarität und eine konsequent pragmatische Ausrichtung vertreten. Die spezifisch deliktorientierten Techniken zielen in ihrer theoretischen Ausrichtung vor allem auf zwei Bereiche: erstens auf die Erhöhung der Steuerungsfähigkeit und zweitens auf die Verminderung der Deliktmotivation. Zur Veranschaulichung der praktischen Anwendung werden die Therapieelemente "Deliktrekonstruktion" und "Deliktteilarbeit" skizziert. Der Autor widerspricht dezidiert der in Europa zum Teil verbreiteten These, dass die Behandlung von Straftätern keine psychotherapeutische Spezialdisziplin sei. Sowohl Therapien als auch Risikokalkulationen gewinnen erheblich an Effektivität, wenn ihnen spezialisierte und differenzierte Konzepte zugrunde gelegt werden.

2001

 

  • Möller A, Andreae A, Meier R, Urbaniok F, Hell D (2001): Psychiatrisch-diagnostische Befunde bei männlichen Insassen zweier schweizerischer Arbeitserziehungsanstalten. Schweizer Archiv für Neurologie und Psychiatrie. 152(1):19-26
    Es werden standardisiert erhobene psychiatrischdiagnostische Befunde von 45 männlichen Insassen zweier schweizerischer Arbeitserziehungsanstalten vorgestellt und mit Befunden verglichen, die 1989 an einer der Einrichtungen erhoben worden sind. Die Untersuchungsgruppe – ganz überwiegend nach Massgabe des Art. 100bis StGB in den Einrichtungen untergebracht – lässt sich durch eine hohe psychiatrische Morbidität charakterisieren. Insbesondere sind frühere ambulante oder stationäre psychiatrische Behandlungen und eine Anamnese von Suizidversuchen häufig erfragbar. Im Achse-1-Bereich überwiegen Diagnosen des abhängigen oder missbräuchlichen Konsums psychotroper Substanzen; die Diagnose einer Abhängigkeit war bei 21 Insassen (47%) zu stellen. Persönlichkeitsdiagnostisch überwiegen Borderline-, antisoziale und narzisstische Störungen, wobei im allgemeinen mehr als eine spezifische Störung festzustellen war. Nur ein geringer Anteil der Insassen (5 von 45) war bei einem Punktwert >25 auf der Psychopathy Checklist (PCL-R) als «psychopathisch» zu charakterisieren; dieses Merkmal stand in Beziehung zur Borderline-Diagnose. Es werden Konsequenzen für die Therapiekonzeption dieser Einrichtungen diskutiert.
  • Urbaniok F (2001): Das Zürcher PPD-Modell - Ein modernes Konzept der Zusammenarbeit von Justiz und Psychiatrie. Aktualisierter Nachdruck. Forensische Psychiatrie und Psychotherapie Werkstattschriften. 8(2):37-67
    Die Therapie von Straftätern folgt im angelsächsischen Raum lerntheoretischen Konzepten. Durch eine zu starre und einseitige Anwendung bleibt therapeutisches Potenzial oft ungenutzt. In Europa haben tiefenpsychologische Ansätze lange Zeit zu einer Vernachlässigung deliktorientierter Vorgehensweisen geführt. In Zürich ist mit dem PPD-Modell (Psychiatrisch-Psychologischer Dienst, Justizvollzug Kanton Zürich) ein wegweisendes forensisches Modell entstanden, das professionelle Risikoeinschätzungen vornimmt und ein breites deliktpräventives Therapieangebot für Straftäter bereitstellt. Als Fachzentrum ist der PPD Teil der Justiz und innerhalb der Justizorganisation mit Verantwortung und Entscheidungskompetenz ausgestattet, so dass damit tragfähige strukturelle Rahmenbedingungen für eine innovative forensische Psychiatrie bestehen. Die Behandlungsphilosophie des PPD folgt dem Grundsatz: Spezielle, deliktorientierte Interventionen als Pflichtprogramm und Behandlung der spezifischen Problemstellungen der Grundpersönlichkeit als komplementärer Anteil der Therapie. Der Artikel stellt den deliktorientierten Behandlungsansatz vor, so wie er im Rahmen des Zürcher Modells praktiziert wird. Als generelle paradigmatische Prinzipien werden u.a. eine klare Zielorientierung auf die Verminderung von Rückfallrisiken, maximale Transparenz, Offenheit, Respekt, die Förderung von Selbständigkeit, Eigenverantwortung, Interdisziplinarität und eine konsequent pragmatische Ausrichtung vertreten. Die spezifisch deliktorientierten Techniken zielen in ihrer theoretischen Ausrichtung vor allem auf zwei Bereiche: erstens, Erhöhung der Steuerungsfähigkeit und zweitens, Verminderung der Deliktmotivation. Zur Veranschaulichung der praktischen Anwendung werden die Therapieelemente “Deliktrekonstruktion“ und “Deliktteilarbeit“ skizziert. Der Autor widerspricht dezidiert der in Europa zum Teil verbreiteten These, dass die Behandlung von Straftätern keine psychotherapeutische Spezialdisziplin sei. Sowohl Therapien als auch Risikokalkulationen gewinnen erheblich an Effektivität, wenn ihnen spezialisierte und differenzierte Konzepte zugrunde gelegt werden.

2000

 

  • Urbaniok F (2000): Teil 1: Das Zürcher PPD-Modell - Ein modernes Konzept der Zusammenarbeit von Justiz und Psychiatrie. Kriminalistik. 54:562-566
    Der Psychiatrisch-Psychologische Dienst (PPD) des Justizvollzugs im Kanton Zürich ist ein forensisches Fachzentrum, das in pragmatischer Weise vielfältige Dienstleistungen im Rahmen der Justiz darstellt. Eine solche interdisziplinäre Einbettung der Psychiatrie in die Justiz ermöglicht die Umsetzung praktischer, lösungsorientierter Konzepte in neuer Qualität. Neben der psychiatrischen Grundversorgung gehören deliktpräventive Therapien und flächendeckende Risikobeurteilungen zu den Hauptaufgaben des PPD. Mit der Optimierung dieser Anwendungsbereiche psychiatrischer Kompetenz im Rahmen der Justiz ist ein hohes, erfolgversprechendes Potenzial verbunden, das vielerorts nur unzureichend genutzt wird. Verantwortungsübernahme über die Zeit der Inhaftierung eines Täters hinaus, Differenzierung und interdisziplinäre Zusammenarbeit sind die Leitideen für einen zukunftsweisenden Strafvollzug. Eine moderne Justizpsychiatrie vermag hier wertvolle Beiträge zu leisten.
     
  • Urbaniok F (2000): Teil 2: Das Zürcher PPD-Modell - Ein modernes Konzept der Zusammenarbeit von Justiz und Psychiatrie. Kriminalistik. 54:629-632
    Der Psychiatrisch-Psychologische Dienst (PPD) des Justizvollzugs im Kanton Zürich ist ein forensisches Fachzentrum, das in pragmatischer Weise vielfältige Dienstleistungen im Rahmen der Justiz darstellt. Eine solche interdisziplinäre Einbettung der Psychiatrie in die Justiz ermöglicht die Umsetzung praktischer, lösungsorientierter Konzepte in neuer Qualität. Neben der psychiatrischen Grundversorgung gehören deliktpräventive Therapien und flächendeckende Risikobeurteilungen zu den Hauptaufgaben des PPD. Mit der Optimierung dieser Anwendungsbereiche psychiatrischer Kompetenz im Rahmen der Justiz ist ein hohes, erfolgversprechendes Potenzial verbunden, das vielerorts nur unzureichend genutzt wird. Verantwortungsübernahme über die Zeit der Inhaftierung eines Täters hinaus, Differenzierung und interdisziplinäre Zusammenarbeit sind die Leitideen für einen zukunftsweisenden Strafvollzug. Eine moderne Justizpsychiatrie vermag hier wertvolle Beiträge zu leisten.

1995

 

  • Urbaniok F (1995): Das Langenfelder Modell: Stationäre Behandlung persönlichkeitsgestörter Patienten. Krankenhauspsychiatrie. 4:160-164
    Das Langenfelder Modell ist ein stationäres Behandlungskonzept für „persönlichkeitsgestörte“ Sexualstraftäter. Grundideen, Teamleitlinien, Behandlungsstrukturen und bisherige Erfahrungen werden dargestellt. Ein wichtiges Element der Arbeit ist ein spezielles körpertherapeutisches Angebot zur Deliktbearbeitung. Nach drei Jahren liegen noch keine Zahlen vor. Der Eindruck aller Beteiligten - einschliesslich der Patienten - ist, dass sich das Konzept als effektive therapeutische Arbeitsgrundlage bewährt hat.